Weil Tantra an die Ganzheit glaubt, schließt es Gegensätze ein und betrachtet diese nicht als Widerspruch, sondern als Ergänzungen.

~ Margot Anand, Begründerin der Sky Dancing Tantra Schule ~

Meine Indienreise auf den Pfaden des Tantra

Pilgerreise in den indischen Himalaya vom 21. September bis 8. Oktober 2019

Auf den Spuren des Tantra und den Tantramassagen

Es war ein relativ spontaner Entschluss von mir, eine Gruppenreise zu Buddhistischen Pilgerorten im indischen Himalaya zu unternehmen. Zwar war Indien nie eines meiner bewusst angesteuerten Reiseziele, doch zum einen war ich neugierig auf die Erfahrung eines mir vollkommen fremden Landes, zum anderen hatte ich die Absicht, etwas über die Ursprünge des Tantra herauszufinden, wo ich doch selbst Tantramassagen gebe und mir kaum über die Hintergründe dieser wunderschönen, tief entspannenden Massageform im Klaren war.

Ich sage nach wie vor nicht, dass Hintergrundwissen notwendig ist, um wohltuende Tantramassagen zu geben, dafür braucht es kein mentales Wissen, schon gar kein buddhistisches oder hinduistisches. Um über Tantramassagen etwas zu erfahren, ist keine Reise nach Indien nötig, so viel habe ich verstanden, denn in Indien gibt es diese Massageform überhaupt nicht. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste und definitiv nicht in der Region, die ich bereiste.

Ich finde es spannend, mich auf die Spuren der Ursprünge des Tantra zu begeben und zumindest ansatzweise einen Eindruck von dieser alten, tief verzweigten Lehre zu erhaschen. Mehr ist während einer 18tägigen Reise meiner Ansicht nach nicht möglich, vor allem dann nicht, wenn das eigene Vorwissen nur rudimentär ist.

Mit meinen Tantramassagen war ich von Anfang an in der praktischen Anwendung und zumindest nicht bewusst mit der philosophischen Theorie der buddhistischen, hinduistischen oder tibetischen Wurzeln des Tantra verbunden. Bewusst nicht, aber vielleicht unbewusst oder überbewusst, denn für mich sind unter anderem Achtsamkeit, Atembetrachtung und Meditation wesentliche Elemente der Tantramassage, so wie ich sie verstehe und gebe. Auch Gedanken der Verehrung des Lichtes und des Göttlichen sowohl im anderen als auch in mir fließen in meine Massagepraxis und in meine tägliche Meditationspraxis ein.

Die heilsame Essenz tantrischer Massagen

Es kursieren nach wie vor viele abenteuerliche Ansichten und Viertel- bis Halbwissen über Tantramassagen. Diese Massageform ist relativ jung und noch nicht weit verbreitet, geschweige denn gesellschaftlich anerkannt. So missverstehen manche Menschen inklusive des Gesetzgebers Tantramassagen insofern, als dass sie sie für eine rein erotische Dienstleistung halten. Einige Menschen sortieren Tantramassagen leider auch in den Bereich des partnerschaftlichen Betrügens oder Fremdgehens ein, was nichts mit der absichtslosen Natur einer tantrischen Massage zu tun hat.

Ja zu sich selbst als ganzer Mensch

Eine Tantramassage ist einseitig gebend und dient einzig dem tiefen Wohlergehen des Empfängers mitsamt der besonderen Erfahrung des absoluten Angenommenseins, so wie er als Mensch ganzheitlich im jeweiligen Augenblick gerade ist, denkt, fühlt und so wie sein Körper auf natürliche Weise auf zärtliche Berührungen reagiert. Einfach nur Menschsein sozusagen und sich in seinem Körper möglichst wohl und zu Hause fühlen, darum geht es in einer Tantramassage. Vor diesem Hintergrund und mit diesem Bewusstsein gegeben, kann eine Tantramassage sogar heilsame und inspirierende Wirkungen haben, die weit über eine entspannende Erfahrung hinausgehen. Vielleicht lebt hier der Kern der geistigen Lehren, die Tantra als Weg der Erleuchtung praktizieren, in praktischer Weise weiter und bringt gelegentlich in dem einen oder anderen Empfänger absichtslos die innere Saat des erwachten Bewusstseins zum Erblühen.

Reise in den Indischen Himalaya – die Route

Von Friedrichshafen ging es nach Frankfurt und von Frankfurt mit einem schönen, großen Flugzeug, dem Airbus A380, nach Delhi. Dort fanden wir uns als Gruppe zusammen und verbrachten eine kurze Nacht in einem Hotel, bevor es am nächsten Morgen mit einem kleinen Inlandsflugzeug weiter nach Dharamsala, dem Exilsitz des Dalai Lama im Norden der Region Himachal Pradesh im indischen Himalaya ging. Dies sind die Orte, in denen wir auf der Reise jeweils zwischen ein und drei Nächte übernachteten (siehe Karte) und von wo aus wir Ausflüge in abgelegene Gegenden unternahmen: Dharamsala, Bir, Rewalsar, Sarahan, Kalpa, Shimla. Von Shimla ging es abschließend über den überraschend sauberen Bahnhof in Chandigarh mit dem Zug zurück nach Delhi.

Buddhistische Pilgerorte im Himalaya

Die Überschrift der Reisebeschreibung des Veranstalters „Neue Wege“ lautete: „18-tägige Indienreise von Dharamsala, dem Exilsitz des Dalai Lama bis in die verborgenen Täler von Kinnaur“ unter der Reiseleitung des Buddhismus- und Meditationslehrers, Tibetisch-Übersetzers und erfahrenen Indienreisenden Jürgen Manshardt.

Insgesamt erlebte ich auf meiner Indienreise genau das, was mir erhofft hatte: Jeden Tag sah ich andere Orte und neue Gegenden, hatte zahlreiche Begegnungen mit Mönchen, Klöstern und Tempeln und erfuhr ein harmonisches Zusammensein mit einer netten Gruppe von 12 Personen, die allesamt gebildet und buddhistisch interessiert oder Buddhisten waren. Dazu genoss ich leckeres indisches Essen, eine gute Reiseorganisation, tolle Reiseleiter und nahm als Kontrastprogramm das hin, was viele Reisende von Indien kennen: für uns Deutsche ungewohnte hygienische Verhältnisse exklusive Toilettenpapier, sich in Entwicklung befindliche Strukturen, was Straßen-, Hausbau und Sauberkeit betrifft sowie die alltäglichen Bewegungen von Menschen in Autos, Rikschas, auf Fahrrädern und auf Motorrädern gleichzeitig mit Hunden und Kühen auf holprigen, unbefestigten und oft sehr kaputten und engen Straßen.

Neben der Hässlichkeit durch Unfertiges und Schmutziges – das Lebendige und Chaotische empfinde ich hingegen nicht als hässlich – gibt es auf der anderen Seite die wunderschön gekleideten Frauen in ihren bunten Saris, die mit ihren zarten Schuhchen ebenso ihre Wege durch die sandigen, steinigen und unwegsamen Straßen außerhalb und innerhalb der Orte finden wie die unauffälliger gekleideten Männer, die vielen entspannten, selten bellenden Straßenhunde sowie die heiligen Kühe, die wie die Hunde einfach überall von A nach B gehen und sympathischerweise in Indien eine viel natürlichere Statur haben als ihre aufgepeppelten Verwandten in unseren westlichen Ländern.

Unter anderem fiel mir auf, dass viele Menschen in Indien achtsame, gute Fahrer sind, die oft hupen und viel Rücksicht auf andere nehmen, ohne sich je aufzuregen. Ich hatte den Eindruck, dass niemand je aus Unachtsamkeit oder Stress einen anderen Menschen, eine Kuh oder einen Hund streifen würde, obwohl sie sich alle gleichzeitig und häufig eng auf den Straßen fortbewegen. Diese Achtsamkeit vermisste ich jedoch in Sachen Hygiene und Sauberkeit und nahm es staunend zur Kenntnis, wenn meine erfahrenen Reisekollegen sagten, dass es in Indien schon viel sauberer sei als früher.

Viele Häuser sind in sehr schlechten Verhältnissen, selbst neu gebaute Häuser wirken oft nur halb fertig. Von den Menschen für den normalen Gebrauch Gebautes empfand ich nicht als schön, nur die oft üppigen Klosteranlagen hatten durch ihre Bauart und besonders durch ihre wunderschönen Malereien und Stupas (buddhistische Bauwerke, die Buddha und seine Lehre repräsentieren) einen speziellen Reiz.

Sehr gute Reiseorganisation

Da die Reise so gut organisiert war und ich mich inmitten der Gruppe und der Reiseleiter sowie mit den vier guten Fahrern enorm gut aufgehoben und sicher fühlte, empfand ich mich und mein Gemüt wie in dicke, gelassene Watte gepackt. Vermutlich wäre das Erleben des Indiens, das ich bereiste, unter anderen Umständen oder gar alleine für mich emotional und mental schwieriger gewesen. Oft dachte ich, dass ich ohne diese Reiseorganisation niemals an bestimmte Orte gelangt wäre. Ich sah wenige Straßen- und Hinweisschilder und manchmal kamen wir in Klöster und Tempel, die so fernab der Welt schienen und nur über sehr unwegsame Wege überhaupt erreichbar waren, dass ich mich fragte, woher ein Mensch, geschweige denn ein Tourist, sie ohne so eine Gruppenorganisation und einheimische Reiseführer überhaupt finden sollte. Zu alldem kam der immense Vorteil, dass unser deutscher Reiseleiter Jürgen Manshardt fließend tibetisch spricht und wir durch ihn an ansonsten kaum zugängliche Orte und Informationen kamen.

Unser Reiseleiter und Buddhismus-Experte Jürgen Manshardt erklärt

Unser Reiseleiter und Buddhismus-Experte Jürgen Manshardt erklärt

Besuch im Nonnenkoster bei Tenzin Palmo

Eine Ausnahme war sicher das Nonnenkloster der buddhistischen Nonne Tenzin Palmo, die international bekannt und Besucher gewöhnt ist. Bei ihr hatten wir eine einstündige Audienz.

Vor der Reise hatte ich mir ein Buch von dieser ungewöhnlichen Frau bestellt und angefangen, darin zu lesen. Ich finde es sehr gehaltvoll und bekomme nach mehrmaligem Lesen einiger Passagen zumindest langsam einen kleinen Einblick in die komplexen Inhalte und Traditionen des Buddhismus – Tantra eingeschlossen. Mehr als ein kleiner Eindruck ist es auch jetzt noch nicht, da ich diesen Text schreibe. Ich glaube, ich könnte mindestens ein Leben lang studieren, um den Buddhismus mit all seinen Verzweigungen und Lehren umfassend sowohl von außen als auch von innen – also durch Praxis – zu studieren und würde dann immer noch nicht alles wissen. Vielleicht habe ich das ja in früheren Inkarnationen getan, wer weiß, und habe mich darum in diesem Leben für das Erfahren meines Lebens ohne Religionszugehörigkeit entschlossen, fühle aber dennoch eine sanfte Sympathie für den friedlichen Buddhismus.

Ein spirituell ausgerichtetes Leben ohne Religionszugehörigkeit

Ich hatte das Glück, so sehe ich das jedenfalls, ohne Religionszwang aufzuwachsen, was sowohl mit großer Freiheit als auch mit großer Orientierungslosigkeit mit der Zurechtfindung in der materiellen Welt verbunden war. Schon als Teenager begann ich damit, mich für die nicht-religiösen Wege der Selbstfindung zu interessieren, was mich anfangs von meinem damaligen Umfeld isolierte, denn niemand interessierte sich ebenfalls für den Weg nach innen und das Verstehen der Welt. Mein erstes Astrologiebuch kaufte ich mit 15, bald danach kamen meine ersten Tarotkarten, worauf in den folgenden Jahrzehnten diverse Selbsterfahrungs- und Therapieseminare, Chakrenkurse, Eigenstudien und Selbstreflextion, Schulungen, Ausbildungen, Einzelsitzungen bei Helfern und Heilern und die aktive 25jährige Zusammenarbeit mit einer spirituellen Lehrerin verbunden mit dem Lesen zahlreicher spiritueller Bücher folgten. In religiöse Studien jedoch stieg ich nie ein, weil ich schon immer direkt zurück zur Quelle des Seins finden wollte, ohne Umwege zu machen durch religiöse Konzepte und den Glauben an irgendetwas, was andere Leute – meistens Männer – erfunden, interpretiert, kommentiert oder aufgeschrieben haben.

In dem Buch von Tenzin Palmo, die im indischen Himalaya das Nonnenkoster Dongyu Gatsal Ling Nunnery führt und als eine der ersten und bedeutendsten westlichen Frauen – sie ist Engländerin – sich einen respektablen Platz in der Welt des Buddhismus erwirkt hat, erzählt sie unter anderem von der Rolle der Frau und dem Kampf, den die Frauen seit Tausenden von Jahren führen, um den Männern gleichgestellt zu sein, insbesondere, was Themen wie Selbstbestimmung und Gleichwertigkeit betrifft.

Gründung des ersten Nonnenordens durch Buddha – ein wichtiger Schritt in die Gleichberechtigung

Es gibt eine Anekdote aus der Zeit des lebendigen Buddha, in der er von seiner Stiefmutter gebeten worden sei, einen Nonnenorden zu gründen, damit auch Frauen den Weg zur Erleuchtung in der Hauslosigkeit gehen dürfen. Damals – und weltweit noch heute sehr verbreitet – wurde von den Frauen der Dienst für die Familie erwartet. Der Buddha lehnte den Wunsch seiner Stiefmutter dreimal ab, woraufhin sie sehr unglücklich war und weinte. Dies wurde von Ananda, dem Diener und Cousin des Buddha bemerkt, woraufhin er sie nach dem Grund ihres Unglücklichseins fragte. Aufgeklärt ergriff er Partei für sie und fragte den Buddha: „Sind Frauen fähig, ein heiliges Leben zu führen und Befreiung zu erlangen?“ Der Buddha antwortete: „Ja, ja natürlich sind sie das.“ Woraufhin Ananda fragte: „Warum machst du es ihnen dann so schwer?“ Daraufhin erklärte der Buddha: „Nun gut, so sei es“ und gründete den Nonnenorden.

Der Beginn der tantrischen Bewegung

Dennoch hatten und haben es die weiblichen Praktizierenden schwer, in der Männerdomäne als gleichberechtigt und gleichgestellt gesehen und anerkannt zu werden. Für zölibatär lebende Mönche waren Frauen immer eine Gefahr, eine Ablenkung von ihrer geistigen Praxis, verbunden mit der Angst, sich auf dem Weg der Erleuchtung zu verlieren. Frauen wurden als „unrein“ betrachtet und so konnte kein Gleichgewicht in den Lehren und ihrer Anwendung entstehen.

Die Bewegung namens Tantra entstand als Folge der Unausgewogenheit der Lehren, denn im tantrischen Geist gibt es die wertende Unterscheidung in männlich und weiblich nicht. In der höchsten Verwirklichung, der Erleuchtung, ist alles eins und alles miteinander verbunden. Tenzin Palmo sagt, der „Reiz der tantrischen Bewegung lag darin, dass das Ziel des Mahayana (Großer Weg) das Erlangen von Buddhaschaft sei.“ Das Interessante an diesem Weg lag nun darin, dass man keine Äonen zum Erlangen des Erleuchtungszustandes oder der Verwirklichung der Buddha-Natur mehr brauchte, sondern ein einziges Leben dafür genüge. Laut Tenzin Palmo ging diese Bewegung weitestgehend von den Frauen aus. Es hätte auch viele weibliche Praktizierende und Meisterinnen gegeben, was in den Überlieferungen natürlich verständlicherweise kaum übermittelt wurde, da diese fast ausschließlich von den Männern niedergeschrieben und weitergegeben wurden.

Was bedeutet das nun alles im Detail? Rein intuitiv und basierend auf dem wenigen Wissen, dass ich mir mittlerweile durch Lesen und Gespräche auf der Indienreise angeeignet habe, scheint das Wesentliche der tantrischen Praxis, so wie sie auch heute noch in Indien und Tibet gelebt wird, sich in den Köpfen der Mönche und Nonnen abzuspielen und nicht im Entferntesten etwas mit Sinnlichkeit oder gar Sexualität zu tun zu haben, so wie wir im Westen Tantra und tantrische Praxis heute verstehen. Zu den tantrischen Praktiken im Osten gehören geistige Übungen wie Meditationen, Mantras, Yantras, Visualisierungen und das Studieren von Texten.

Guru Padmasambhava und seine Gefährtin Yeshe Tsogyal

Dennoch scheint es im Laufe der letzten Jahrhunderte im Geheimen und in einzelnen Traditionen auch die physische Praxis gegeben zu haben, doch hier bin ich noch nicht konkret fündig geworden. Geheim ist eben geheim. Der einzige Anhaltspunkt bisher ist der tantrische Meister Padmasambhava, der im 8. bis 9. Jahrhundert nach Christus lebte und auch als Guru Rinpoche bekannt ist. Im indischen Rewalsar ist ihm ein großes Heiligtum gewidmet und die Höhle, in der er meditiert haben soll, ist für Pilger besuchbar. Ich war in dieser Höhle und wunderte mich nicht, dass ihm selbst sowohl eine riesige, goldene Statue gebaut wurde, die die ganze Stadt Rewalsar überblickt, als auch innerhalb der kleinen Höhle eine meterhohe Statue auf die Besucher schaut, wohingegen seiner Gefährtin Yeshe Tsogyal nur eine kleine Nebenhöhle mit kleiner Statue und bescheidenem Altar gegönnt wurde. Noch kleiner in der Wand gibt es eine Abbildung der beiden in der Yab-Yum-Stellung, einer Position der sexuellen Vereinigung.

Kurze Zusammenfassung meiner Beobachtungen

Zusammenfassend sehe ich es mit jetzigem Stand meines Wissens so, dass der Begriff Tantra mitsamt all seiner ursprünglichen Ausprägungen insgesamt für tiefste Weisheit, Wahrheit, Einheitsbewusstsein, Liebe und den direkten Weg zur Erleuchtung steht. Die Ursprünge liegen in Indien und Tibet, von wo aus sich diverse Zweige und Schulen bildeten, in denen vermutlich allesamt die tantrischen Praktiken damals wie heute im Geist und nicht körperlich ausgeübt werden.

Wie im Beispiel des Padmasambhava und seiner Gefährtin Yeshe Tsogyal erwähnt, gab es wahrscheinlich aber auch Männer und Frauen, die die geistigen Praktiken in die physische Erfahrbarkeit brachten und ihre Körper nutzten, um durch bewusste Anregung und Steuerung der Lebensenergien ihr Bewusstsein zu erweitern und in den Geisteszustand der Einheit zurückzukehren. Sofern dies heute im Osten noch praktiziert wird, dann vielleicht wirklich nur im Geheimen, zumindest konnte mir niemand eine Schule zeigen, in der Nonnen und Mönche gemeinsam spirituell-sinnliches Tantra praktizieren.

Der Weg des Tantra in den Westen

Ein Grund meiner Reise nach Indien war, dass ich sowohl etwas über die Ursprünge als auch etwas über die Verbindung des Tantra zwischen Indien und Tibet und der westlichen Welt verstehen wollte. Zu Beginn während unserer Kennenlernrunde stellte ich diese Frage vor allen Mitreisenden in den Raum. Während der Reise befragte ich dazu auch den sehr kundigen Reiseleiter Jürgen Manshardt und hatte ein offenes Ohr für eventuelle Ansichten der anderen.

Tantrische Brücken zwischen Ost und West: Osho, Margot Anand, Andro

Die einzige halbwegs schlüssige Erklärung des Weges des Tantra in den Westen fanden Jürgen und meine Reisegefährtin Beatrice während einer unserer langen Autofahrten in Osho (1931-1990), dem geistigen Lehrer und Philosophen. Osho ist bekannt als der Begründer der Neo-Sannyas- oder Bhagwan-Bewegung mit zahlreichen Schülern aus der ganzen Welt, von denen viele das durch ihn übermittelte Wissen in den Westen trugen. Eine davon war Margot Anand, die Begründerin des Sky Dancing Tantra. Annoncen dieser Schule sah ich schon in den 90er Jahren, als ich noch in Berlin lebte, doch damals war die Welt des Tantra noch nicht meine Welt. Ich würde sagen, ich war dafür noch nicht reif und hatte noch viele andere Wege zu gehen, bevor ich mit Mitte 40 mit dem tantrischen Wissen und den Tantramassagen in aktive, lebendige Berührung kam.

Im heutigen Indien und Tibet gibt es das, was wir hier im Westen unter Tantra verstehen, nicht. Und doch liegen die Wurzeln dort. Ich neige immer mehr dazu, anzunehmen, dass es die Lehren und Interpretationen des Osho waren, die Tantra für den westlichen Geist mundgerecht machten und dass es dann Menschen wie Margot Anand waren, die das Geistige des Tantra in die konkret anwendbare Praxis für uns westliche Menschen brachten, sowohl für die gelebte Sexualität der Paare, als auch für das Selbsterfahren des Einzelnen bis hin zur Tantramassage, die wiederum von Andro (Andreas Rothe) in den 80er Jahren entwickelt wurde und sich seitdem in vielen Ländern verbreitet.

Die Bedeutung der praktischen Anwendung

Ich weiß, dies sind viele Informationen auf sehr kleinem Raum. Sie sollen zusammenfassend einen kleinen Eindruck in die Gedanken zeigen, die ich ausgelöst durch meine Indienreise auf die Frage nach den Ursprüngen von Tantra und Tantramassagen finden durfte. Mein Lernen und Erfassen hat hier gerade erst angefangen. Und doch ist die gelebte Praxis das A und O – das war es vor meiner Reise und das wird auch so bleiben. Alles mentale Wissen ist meiner Ansicht nach nutzlos, wenn es nicht angewandt wird.

Nach wie vor ist es für mich das Wesentliche, das tantrische Bewusstsein, welches ich ganz einfach mit dem Leben im Jetzt, mit Liebe und Güte, mit Mitgefühl, Achtsamkeit und meditativer Praxis verbinde, in meinen gelebten Alltag und mit viel Liebe und Sinnlichkeit in das Geben tantrischer Massagen einfließen lasse.

Einfach sein – einfach leben – einfach sich freuen

Je länger ich darüber nachdenke, was ich abrundend schreiben könnte, desto weniger fallen mir passende Worte ein. Worum geht es also im Leben? Worum geht es MIR, worum geht es DIR? Was ist wirklich wichtig?

Leid überwinden und einfach nur sein, ja, das macht schon Sinn. Im einfachen Seinszustand ist es auch einfach sehr lustig und humorvoll. Was gibt es Schöneres, als wenn sich Schwere auflöst wie Nebel in der Sonne und ein Gackern aus den Tiefen des Bauches hochblubbert?

Einfach nur sein ist pure Lebensfreude. Prickelnde Energie, strömende innere Flüsse, Heiterkeit und heitere Gelassenheit. DAS häufiger fühlen und alles, was es ver- und behindert immer mehr aus dem Leben rausschmeißen, ja, das tut gut.

In diesem Sinne sende ich dir, liebe Leserin und lieber Leser, einen warmen Sonnenstrahl aus meinem Herzen mitten in deins. Und wenn du Kommentare, Korrekturvorschläge oder Fragen hast oder gerne zu einem meiner Indisch-Tibetisch-Tantrischen Abende kommen möchtest (Info siehe etwas weiter unten), dann melde dich gerne bei mir.

Herzlichst, Anja

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg.

~ Buddha ~

Besuch im Bön Kloster

Im Bön Kloster ist alles etwas anders. Die Besichtigung des Klosters innen wird zum Beispiel rechts herum geführt, in allen anderen Klostern geht es linksherum. Die Mönche tragen rot-blaue Kutten. Das Hakenkreuz ist ein heiliges Symbol und hat von der Bedeutung her etwas mit „Stabilität“ zu tun. Die Statuen zeigen häufig Guru Padmasambhava und den Urheber der Bön-Tradition Shenrab Miwo, der vor dreißigtausend Jahren gelebt haben soll.

Der folgende Informationstext über Bön ist aus Wikipedia: „Der Bön (tibetisch བོན། Bon, deutsch Wahrheit, Wirklichkeit, Wahre Lehre) war vor der Etablierung des Buddhismus als Staatsreligion im 8. Jahrhundert die vorherrschende Religion der Tibeter. Verbreitet ist er im heutigen Tibet und anderen Teilen Zentralasiens, Chinas sowie Nepals und Bhutans. Der Bön ist eine animistisch-polytheistische Religion mit starken schamanistischen Eigenschaften. Ahnenkult und eine ausgeprägte Beerdigungs- und Gedenkkultur sind ebenfalls wichtige Aspekte des Bön.

Später beeinflussten sich der Bön und der Buddhismus gegenseitig, wobei aus dem Bön rituelle und schamanistische Elemente oder Bön-Gottheiten in den Buddhismus gelangten und umgekehrt der Buddhismus den Bön wesentlich beeinflusste.

1977 wurde der Bön von der tibetischen Exilregierung und vom Dalai Lama offiziell als fünfte spirituelle Schule des Tibetischen Buddhismus anerkannt.“

Was wird, vergeht.

~ Buddha ~

Weiterführende Informationen

Tenzin Palmo, Buch „Weibliche Weisheit vom Dach der Welt“, http://tenzinpalmo.com/

Margot Anand, Buch „Tantra oder die Kunst der sexuellen Ekstase“, https://www.skydancingtantra.org/

Osho, Bücher „Das Buch der Geheimnisse“, „Die tantrische Vision“, „Tantra – die höchste Einsicht“, https://www.osho.de/

Andro: Bücher „Tantramassage nach Andro“, „Die fünf Tantrika“, http://diamond-lotus.eu/

Eckhart Tolle: Bücher „Leben im Jetzt“, „Eine neue Erde“, https://www.eckharttolle.com/


Nächster Termin: Dienstag, 3. Dezember 2019
18.00 bis ca. 21.00 Uhr
Anmeldung erforderlich. 


 

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